Psychosoziale Unterstützung

Manchmal ist es ein Tropfen zu viel
Wir, das PSU- Team der Feuerwehr Senden, haben vielfältige Erfahrungen mit schweren Belastungen, Unfällen und Katastrophen. Bei unserer Arbeit hat es sich als hilfreich erwiesen, den Betroffenen und ihren Angehörigen Informationen über mögliche psychische Reaktionen mitzugeben.
Da die meisten Menschen mit solchen gewöhnlich auftretenden Reaktionen nicht vertraut sind, neigen sie dazu, eigene Reaktionen als unnormal und ungewöhnlich aufzufassen. Vor dem Hintergrund der starken Belastungen sind diese jedoch durchaus verständlich. Es sind normale Reaktionen auf außergewöhnliche Ereignisse.
Die erste Reaktion ist oft von Unwirklichkeit geprägt. Viele haben ein starkes Gefühl von innerer Leere. Es kann auch sehr schwer sein, in vollem Umfang zu verstehen, was passiert ist. Erst nach und nach lässt man das Ereignis an sich heran, und es entstehen dann nicht selten starke Emotionen, vor allem Angstgefühle, wenn das Geschehene innerlich wiedererlebt wird. Die gedanklichen Bilder können so realistisch sein, dass man das Gefühl bekommt, „jetzt passiert es wieder“.
Es kann schwierig oder unmöglich sein, sich gedanklich von den am stärksten belastenden Ereignissen zu lösen. Die Angst führt zu Ratlosigkeit und kann sich auch in körperlichen Beschwerden äußern wie Zittern, Schweißausbrüche, Schreckhaftigkeit, Kopfschmerz, Herzrasen, Druck auf der Brust, Übelkeit, Spannungenim Körper, Störungen im Essverhalten. Schlafprobleme können sich in Einschlafschwierigkeiten und häufigen Wachphasen zeigen.
Möglich sind auch typische Träume vom Geschehen. Auf verschiedene Weise erlebt man das Unglücksgeschehen immer wieder als Albtraum. Dies kann zu angsterfülltem Aufwachen führen. Wenn der Schlaf über längere Zeit gestört ist, führt das zu Erschöpfung und erhöhter Reizbarkeit.
Manchmal möchte man alles, was an das Erlebte erinnert, von sich schieben und vermeiden.
Oft macht sich Verzweiflung breit durch Selbstvorwürfe und Schuldgefühle. Man erlaubt sich nicht mehr Freude zu empfinden oder zur
„Normalität“ überzugehen.
Es besteht der Wunsch allein zu sein. Man versucht zu vergessen, zieht sich vor dem Kontakt mit anderen zurück. Dies ist im bestimmten Maße verständlich, aber auf Dauer ist Isolation keine Hilfe.
Sollten die Reaktionen nicht innerhalb von vier Wochen deutlich abgeklungen sein, zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Im Folgenden geben wir einige Empfehlungen:
- Sprich mit denjenigen, die sich beruflich für Hilfe bereithalten
Der Hausarzt kann bei der Behandlung der oben aufgeführten Reaktionen helfen.
Du kannst Dich sich mit allen Fragen auch an die FachberaterSeelsorge oder das PSU-Team wenden.
Gesprächspartner und geduldige Zuhörer findest Du zudem in den Beratungsstellen der Kirchen oder Kommunen. Dein Fachberater Psychotraumatologie nennt Dir gern Adressen und Telefonnummern und steht Dir auch persönlich zur Verfügung.
- Sprich mit anderen
Auch wenn es schwer fällt, hilft es, die Gedanken, Gefühle und Erlebnisse mit anderen zu besprechen und zu teilen. Häufig besteht auch das Bedürfnis, wieder und wieder über bestimmte Aspekte des schlimmen Ereignisses zu sprechen. Auf diese Weise kann man leichter durch eine schwierige Situation hindurchkommen.
Wenn Du keine Gesprächspartner findest
oder zeitweilig nicht über das belastende Ereignis reden möchtest, kann es gut sein, die eigenen Erlebnisse in einem Tagebuch aufzuschreiben.
- Denk(t) an Deine / Eure Kinder
Diese Information ist gleichzeitig zur Hilfe für den Umgang mit Deinem / Eurem Kind bzw. Kindern gedacht.
S p r i c h m i t i h n e n !
Kinder können die gleichen Reaktionen zeigen wie Du, ohne zunächst hierüber sprechen zu wollen. Sie befürchten, damit Ihre Eltern zusätzlich zu belasten.
Zusätzlich zu den genannten Reaktionen können sich bisher nicht bekannte Lern- und Konzentrationsstörungen in der Schule zeigen. Unter bisher vertrauten Spielgefährten können Streitereien auftreten oder Freude am Spiel will nicht mehr richtig aufkommen. Gelegentlich kann es zu nächtlichem Einnässen kommen.
Sprich mit Deinen Kindern, was sie jetzt am liebsten tun würden, und gib ihnen Freiraum dazu.
- Körperliche Aktivität und regelmäßige Tätigkeiten sind wichtig
Betreibe Aktivitäten, von denen Du aus Erfahrung weißt, dass sie Dir guttun. Bemühe Dich, bei Deinen Aktivitäten Deine Umwelt, die Dinge, mit denen Du Dich beschäftigst, bewusst und detailliert wahrzunehmen.
Für manche ist es vorteilhaft, so früh wie möglich den geregelten Tagesablauf wieder aufzunehmen.
- Nimm Deine sozialen Kontakte wahr und vernachlässige sie nicht
Die Gemeinschaft mit anderen kann hilfreich sein.
Falls bei Dir akute Belastungsreaktionen auftreten sollten, dann fahre besser in den ersten 3-4 Tagen nicht selbst Auto. Deine Konzentrationsfähigkeit ist in Stresssituationen erheblich vermindert, auch wenn Du das selbst zunächst nicht wahr haben willst.
Mögliche akute Belastungsreaktionen
Vielleicht hast Du bei Dir selbst oder andere an Dir ungewohnte Reaktionen festgestellt. Dies können akute Belastungsreaktionen sein. Sie können normale Reaktionen auf außergewöhnliche Ereignisse sein.
Körperliche Reaktionen
- Schwitzen
- Übelkeit
- Zittern
- Herzrasen
- nervöser Magen
- unkoordinierte Bewegungen
- Muskelverkrampfungen
- starke Erschöpfungszustände
- Schlafstörungen
Emotionale Reaktionen
- Schuldgefühle
- Traurigkeit
- Depressive Verstimmung
- Hoffnungslosigkeit
- Besorgnis
- Unfähigkeit, Emotionen bzw. Anteilnahme zu empfinden
- Angst
Gedankliche Reaktionen
- Rückblenden (Zwangserinnerung)
- geringe Konzentrationsfähigkeit
- vermindertes Erinnerungsvermögen
- Albträume
- Schuldzuweisungen
Verhaltensreaktionen
- Rückzug aus sozialen Beziehungen
- wachsendes Misstrauen
- verändertes Ess-, Trink- und Rauchverhalten
- übermäßige Wachsamkeit
- übertriebene Lustigkeit
- extreme Schweigsamkeit
- Überempfindlichkeit
- schnelles Aufbrausen
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